Forschungsergebnisse

Im Rahmen eines vom BMBF geförderten Projekts entwickelten und testeten wir ein Transaktivitäts-Training mit rund 1.000 Schülerinnen und Schülern. Hier finden Sie den genauen Ablauf der Studie, ausgewählte Ergebnisse und einige ausgewählte Publikationen.

STUDIE

Der Frage, inwiefern sich die Transaktivität gezielt trainieren lässt, sind wir im Rahmen einer Studie nachgegangen. Dafür haben wir das Training auf 2,5 Tage verteilt und in ca. 30 neunten Klassen mit fast 1.000 Schülerinnen und Schülern an Gesamt- und Sekundarschulen durchgeführt.

Um die transaktive Kommunikation für Lernende greifbarer und damit auch gezielter trainierbar zu machen, haben wir diese komplexe Kommunikationsform in verschiedene Einzelfertigkeiten untergliedert. Hierzu gehören: (1) absichern, (2) nachfragen, (3) erweitern, (4) hinterfragen, (5) gegenüberstellen und (6) zusammenführen.


Die sechs Fertigkeiten lassen sich mithilfe der Puzzlemetapher verdeutlichen: Wie bei einem Puzzle „legen“ die Schülerinnen und Schüler in Partner- oder Gruppenarbeiten ihre Ideen als Wissensbausteine auf den Tisch (beispielsweise, indem sie sich gegenseitig erzählen, was sie gerade gelesen haben) und versuchen, daraus gemeinsam ein Gesamtwerk zu puzzeln. Manche Wissensbausteine passen gut zusammen, andere nicht. Dies gilt es, im Dialog herauszufinden. Sobald ein Wissensbaustein kommuniziert wurde, können sich die Schüler absichern oder nachfragen, ob sie ihr Gegenüber richtig verstanden haben. Ist das gemeinsame Verständnis geklärt, können sie sich überlegen, was ihnen zur Idee des Lernpartners noch einfällt, und das gemeinsame Puzzle durch „Anlegen“ weiterer anknüpfender Wissensbausteine erweitern. Durch das wechselseitige Ineinandergreifen der individuell kommunizierten Puzzleteile entsteht Stück für Stück ein gemeinsames Bild des Fachinhalts. Doch nicht immer sind alle Ideen fachlich korrekt oder inhaltlich sinnvoll – ebenso wie ein Puzzleteil an einer anderen Stelle besser passen oder gar aus einem anderen Puzzle fälschlicherweise in die Schachtel gelangt sein kann. Dann sollten die Schüler mit ihren Lernpartnern über die jeweiligen Vorschläge diskutieren, indem sie diese fachlich begründet hinterfragen oder dem Wissensbaustein der Lernpartner ein begründetes Gegenargument gegenüberstellen. Sich zunächst widersprechende Ideen lassen sich jedoch so manches Mal doch verknüpfen (beispielsweise durch eine dritte, überschneidende Idee). Das „Legen“ eines solchen verbindenden Wissensbausteins bezeichnen wir als Zusammenführen.

 Jeder der sechs transaktiven Kommunikationsfertigkeiten haben wir ein eigenes Trainingsmodul gewidmet. Diese Module bzw. deren Übungen und Methoden sind so angelegt, dass sie mit anderen Fachinhalten verbunden und somit in den Unterrichtsalltag integriert werden können. Nach Abschluss unserer Projektphase werden wir einige der Materialien hier auf der Homepage zur Verfügung stellen.

FORSCHUNGSGRUPPE

Lukas Mundelsee

Psychologe (M.Sc.), systemischer Coach und Trainer für Schülerworkshops. Derzeit arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt „TKKG“ an der Universität Erfurt und promoviert zum Thema mündliche Mitarbeit und Schüchternheit in der Schule.

Prof. Dr. Susanne Jurkowski

Professorin für inklusive Bildungsprozesse mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung an der Universität Erfurt. Ihre Forschungsinteressen sind Diagnostik und Förderung sozial-emotionaler Fähigkeiten, Kooperatives Arbeiten und Lernen sowie multiprofessionelle Unterrichtsteams.

Dennis Sawatzki

Geschäftsführer des Instituts für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik (Bochum), Lehrer- und Dozentenfortbildner, Buchautor und Supervisor (DGSv). Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt „TKKG“ an der Universität Kassel und promoviert zum Thema Kooperatives Lernen.


Prof. Dr. Martin Hänze

Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Kassel. Seine Hauptforschungsinteressen sind das Kooperative Lernen sowie die Lehr-Lern-Forschung in Schule und Hochschule.




PUBLIKATIONEN & TAGUNGEN

Mundelsee, Sawatzki, Hänze, & Jurkowski (Beitrag angenommen). Förderung kooperativen Arbeitens und Lernens: Entwicklung und Evaluation eines Trainings für eine lernwirksame Schülerkommunikation. Vortrag auf dem DGfE-Kongress 2020, 15.-18. März 2020, Köln.

Mundelsee, Sawatzki, Hänze, & Jurkowski (2020). Kommunikation üben - Wie sich Gruppenarbeit von Schülerinnen und Schülern gezielt verbessern lässt. Pädagogik (2/2020). Weinheim: Beltz.
 
Sawatzki, Mundelsee, Hänze, & Jurkowski (2020). Transaktive Kommunikation als Puzzlestein für erfolgreiches kooperatives Lernen. Schulmagazin 5-10 (2/2020). München: Cornelsen.